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Geplante Steuererhöhungen auf Sekt und Spirituosen: Mehreinnahmen fraglich

Unsere acht Kernargumente im Überblick:

  1. Geplante Steuererhöhungen auf Sekt und Spirituosen könnten weniger Steuereinnahmen bringen als von der Bundesregierung kalkuliert.

Modellrechnungen des BWS zeigen, dass höhere Steuern in steigenden Preisen resultieren können, die wiederum die Nachfrage dämpfen und zu Ausweichreaktionen führen können. Die von der Bundesregierung erwarteten Mehreinahmen würden dadurch weitgehend aufgezehrt werden.

 

  1. Der Politik droht ein weiterer Vertrauensverlust.

Mit den geplanten Steuererhöhungen würde die Bundesregierung von ihrem Versprechen aus dem Koalitionsvertrag abrücken, auf zusätzliche steuerliche Belastungen zu verzichten. Gerade in einer Phase schwacher Konjunktur, zurückhaltenden Konsums und hoher Kosten wäre ein solcher Kurs das falsche Signal für Unternehmen ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über die Akzeptanz steigender Lebenshaltungskosten stellt sich die Frage: Ist jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt für weitere Preissteigerungen?

 

  1. Die Maßnahmen treffen eine wirtschaftlich bedeutende Branche.

Die Gastronomie sowie die Wein-, Sekt- und Spirituosenwirtschaft sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland: Mit 9,6 Milliarden Euro Jahresumsatz in der getränkegeprägten Gastronomie und rund 225.000 Arbeitsplätzen, die von der Branche abhängen, würden zusätzliche steuerliche Belastungen vor allem mittelständische Unternehmen und ihre Beschäftigten treffen.

 

  1. Steuererhöhungen würden Investitionen und Innovationen gefährden.

Betroffen wären Unternehmen der Schaumwein- und Spirituosenwirtschaft gleichermaßen. Höhere steuerliche Belastungen könnten Investitionsspielräume einschränken – sowohl im klassischen Produktbereich als auch bei Innovationen wie der Entwicklung neuer, alkoholfreier Angebote.

 

  1. Aus Sicht des Verbands fehlt der Nachweis einer gesundheitspolitischen Wirksamkeit.

Pauschale Steuererhöhungen auf einzelne Produktgruppen sind kein nachweislich wirksames Instrument zur Reduzierung schädlichen Alkoholkonsums.

 

  1. Prävention gezielt stärken statt pauschal verteuern.

Der BWS plädiert für gezielte Präventionsmaßnahmen, Jugendschutz, Aufklärung und verantwortungsvolle Vermarktung anstelle pauschaler Steuererhöhungen.

 

  1. Bars, Kneipen und Clubs, wären besonders betroffen.

Gerade sogenannte „Dritte Orte“ stehen bereits unter erheblichem Kostendruck. Zusätzliche steuerbedingte Preissteigerungen könnten ihre wirtschaftliche Lage weiter verschärfen.

 

  1. Steuererhöhungen könnten auch die Innenstädte treffen.

Bars, Restaurants und andere Gastronomiebetriebe bringen Menschen in die Innenstädte und stärken das lokale Umfeld. Steigende Kosten könnten ihren wirtschaftlichen Druck erhöhen und damit auch die Attraktivität vieler Stadtzentren beeinträchtigen.

Modellrechnungen zeigen: Die geplante Steuererhöhung auf Sekt und Spirituosen verfehlt ihr Ziel

Modellrechnung des BWS zu möglichen Auswirkungen höherer Verbrauchsteuern auf Schaumwein auf Basis einer Preiselastizität für Sekt von -1,4[1]:

Die Steuereinnahmen steigen kurzfristig und gehen mit sinkenden Absatzmengen wieder zurück. Für 2027 wird ein Volumenrückgang von insgesamt 12 % unterstellt. Dieser setzt sich aus einem steuerbedingten Mengenrückgang von 7 % infolge der höheren Schaumweinsteuer sowie einem allgemeinen Marktrückgang der Getränkekategorie von 5 % zusammen. Die Berechnung berücksichtigt damit sowohl die erwartete Reaktion auf die Steuererhöhung als auch die bereits rückläufige Marktentwicklung.

 

[1] Die Modellrechnung wurde auf Basis zusätzlicher Quellen (u. a. YouGov) zur Preiselastizität von Sekt aktualisiert und weiter präzisiert.

Modellrechnung des BWS zu möglichen Auswirkungen höherer Verbrauchsteuern auf Spirituosen auf Basis einer Preiselastizität von -1,9:

Die Modellrechnung basiert auf der aktuellen Verbrauchsmenge von 149 Mio. Litern Reinalkohol und unterstellt für Spirituosen eine Preiselastizität von -1,9. Sie zeigt: Reagieren Verbraucherinnen und Verbraucher auf deutliche Preissteigerungen, sinkt die versteuerte Menge spürbar: von 149 Mio. Litern im Jahr 2026 auf rund 120 Mio. Liter im Jahr 2029. Die Einnahmen aus der Alkoholsteuer steigen dadurch trotz höherer Steuersätze nur begrenzt. Werden zusätzlich die rückläufigen Mehrwertsteuereinnahmen berücksichtigt, gehen die Gesamteinnahmen aus Spirituosensteuer und Mehrwertsteuer im Modell ab 2027 sogar zurück.

Im Wortlaut - Einordnung zu den geplanten Steuererhöhungen


„Vertrauen ist die wichtigste Währung der Politik. Wenn Zusagen aus dem Koalitionsvertrag infrage gestellt werden, schafft das Unsicherheit. Höhere Steuern auf Sekt und Spirituosen wären aus unserer Sicht das falsche Signal: Für Unternehmen, Verbraucher und die Verlässlichkeit politischer Rahmenbedingungen.“


Dr. Alexander Tacer
Geschäftsführer des Bundesverbandes Wein, Sekt und Spirituosen e.V. (BWS)


„Wer die Schaumweinsteuer erhöht, besteuert kein Luxus-Gut: Mehr als 80 Prozent des Schaumweins werden zu Flaschenpreisen unter 3,50 Euro verkauft. Die zusätzliche Belastung trifft damit gerade die Menschen, für die ein gemeinsames Anstoßen in den aktuellen Zeiten bewusst bezahlbar bleiben soll.“


Silvia Wiesner
CEO der Rotkäppchen-Mumm Gruppe


„Als Produzent, Importeur und Distributeur internationaler Wein-, Sekt- und Spirituosenmarken denken wir langfristig – vom Aufbau und der Entwicklung von Marken und Eigenmarken bis hin zu Investitionen in Vertrieb, Produktion und Innovationen. Zusätzliche Steuerbelastungen würden diese Spielräume unmittelbar einengen. Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld brauchen Unternehmen die Möglichkeit, weiter in ihre Marken und deren Entwicklung im deutschen Markt zu investieren und wettbewerbsfähig zu bleiben.“


Christoph Mack
CEO Mack & Schühle Gruppe

Breites Branchenbündnis warnt in offenem Brief: Geplante Steuererhöhungen auf Sekt und Spirituosen belasten die Wirtschaft – Mehreinnahmen bleiben unsicher

Eine breite Allianz der deutschen Wein-, Sekt- und Spirituosenwirtschaft stellt sich entschieden gegen die geplante Erhöhung der Verbrauchsteuern auf Sekt und Spirituosen. Zu ihr gehören der Bundesverband Wein, Sekt und Spirituosen (BWS), der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI), der Deutsche Weinbauverband (DWV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), der Bundesverband der Obstverschlussbrenner (BdO) und der Verband Traditioneller Sektmacher. Gemeinsam mit mehr als 130 Unternehmen und weiteren Verbänden aus der Wertschöpfungskette appelliert das Bündnis an die Politik, von den geplanten Steuererhöhungen abzusehen.

 

Den offenen Brief können Sie sich hier als PDF ansehen/herunterladen. 

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